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Konzert, Theater, Und

Die Kulturliga zur Lage der Konzert- & Clubkultur in der Coronakrise
Kulturliga e.V. c/o Stadtteilzentrum Desi Brückenstraße 23 90419 Nürnberg info@kulturliga.de www.kulturliga.de

Statement der Kulturliga


Die Kulturliga e.V. ist ein Dachverband regionaler Konzertveranstalter_innen und Live-Spielstätten. Mitglieder sind:
Café Kaya e.V, Club Nasty, Club Stereo, Die Rakete, Eat The Beat e.V., E-Werk Erlangen, Haus 33, Kulturkellerei, Kulturort Badstraße 8, Kunstkeller o27 e.V., Kunstverein Hintere-Cramergasse e.V., Mata Hari Bar, MUZclub, nbg breaks e.V., Stadtteilzentrum Desi, Z-Bau.


Ausgangslage
Eine kurzfristige Studie der LiveKomm, des Bundesverbandes der Live-Spielstätten
in Deutschland, vom 25.03.2020 besagt, dass durch die Coronakrise allein bis dahin
1.160 Clubs ihre Live-Veranstaltungen absagen oder verschieben mussten. Nicht mit
eingerechnet sind dabei die zahlreichen Clubnächte, Lesungen, Poetry-Slams etc.
Allein im Live-Musikbusiness entspräche das 15.000 Shows und Umsatzeinbußen
von 34 Mio. Euro pro Monat. Weitere Zahlen der Studie belegen Umsatzeinbußen
von 3.652,5 Mio. Euro für sechs Monate bei Agenturen und 684 Mio. Euro für Festivals
im gleichen Zeitraum.
Ohne Frage ist der Kultursektor einer der am schwersten betroffenen Wirtschaftszweige
der Coronakrise. Grundlage aller Geschäfte ist hier die Gemeinschaft und der
Kontakt von Menschen. Daher wurde dieser Bereich als einer der ersten komplett
heruntergefahren und ihm wird wohl auch als einer der letzten erlaubt sein wieder zu
öffnen. Nicht nur wir als Spielstätten sind davon akut existenziell bedroht, sondern
auch alle damit verbunden Gewerke wie Sicherheits- und Reinigungsunternehmen,
freie Veranstaltungstechniker_innen und Verleihfirmen, Vorverkaufstellen, Brauereien
und Getränkehändler_innen, Agenturen und nicht zuletzt und vor allem Künstler_
innen, Musiker_innen und Bands. Ihnen allen wurde plötzlich und völlig unverschuldet
die Geschäftsgrundlage entzogen. Dabei handelt es sich bei den meisten
auch um die Lebensgrundlage, die selbst aufgebaute Existenz, den „eigenen Laden",
also um ganz persönliche und existenzielle Dinge.


Handlungsbedarf
Was allen helfen würde, sind finanzielle Mittel, gestaltet als Förderungen oder Subventionen
– nicht als Darlehen, denn Konzerte können nicht einfach doppelt abgehalten
werden. Die finanziellen Einbußen sind faktisch nicht regenerierbar. Die Stadt
Nürnberg hat mit dem „Bündnis für Kultur" nun einen ersten Ansatzpunkt zur finanziellen Unterstützung für freiberufliche Künstler_innen geschaffen – die Kritik daran ist von vielen Seiten groß und teilweise auch nachvollziehbar. Angesichts der Höhe der
von der Sparkassenstiftung Nürnberg zur Verfügung gestellten Summe von 25.000 €
als Sockelbetrag, aber auch vor dem Hintergrund, dass die Stadt Nürnberg selbst
aus eigenen Mitteln bislang noch kein Hilfspaket geschnürt hat. Dadurch wachsen die
Sorgen und es entsteht der Eindruck, dass das „Bündnis für Kultur" kein ernstgemeintes
Hilfsprogramm darstellt.
Es muss allen klar sein: die freie Kulturlandschaft ist massiv bedroht und braucht Unterstützung.
Ohne diese Kultur ist keine Kulturhauptstadt denkbar, die den Namen
verdient. Auch nach Covid-19 werden wir uns in einer gefühlten Dauerquarantäne
befinden, wenn weite Teile unserer Kulturschaffenden und Kulturorte verschwunden
sind, weil wir ihnen die nötigen Hilfsmaßnahmen vorenthalten haben. Unabdingbar ist
also dem Vorbild von Städten wie Leipzig, Köln, Braunschweig oder Hannover zu folgen
und ein starkes, von Bund und Land Bayern unabhängiges und zusätzliches
Hilfspaket für die Kulturszene der Metropolregion auf den Weg zu bringen, denn klar
ist: Diese Unterstützungen werden alleine nicht reichen und können nicht dezidiert
auf die Gegebenheiten vor Ort eingehen. Für die Konzeption dessen bietet die Kulturliga
ihre Mithilfe an.


Weitere Lösungsansätze
Es wäre naiv zu glauben, die komplette Szene, ihre Arbeitsplätze, ihre Macher_innen
können mit einem groß angelegten Spendenaufruf gerettet werden. Die Betriebe und
Akteur_innen selbst tun sicherlich ihr Möglichstes diese Phase zu überstehen, bitten
ihre Gäste um Solidarität, um Unterstützung, sparen wo es nur geht, versuchen neue
Geschäftsfelder zu erschließen und hoffen. Dieser Szene, die ohnehin schon mit vergleichsweise
zu geringen finanziellen Mitteln auskommt, kann zusätzlich noch mit
verhältnismäßig einfachen (lokal-)politischen Mitteln und Maßnahmen kurz- und mittelfristig
geholfen werden. Forderungen, die schon lange bestehen, sollten in der aktuellen
Krise erneut geprüft werden, um verschiedene Facetten der Konzert- und
Clubkultur zeitlich begrenzt oder im Idealfall dauerhaft zu unterstützen.
Nach dem Shutdown kann nicht einfach geöffnet werden als ob nichts gewesen wäre.
Um die massiv geschwächte Konzert- und Clubkultur wieder anzukurbeln sollten:
• ...die Öffnungszeiten für Außenbereiche überprüft werden. Längere Öffnungszeiten
ermöglichen der Gastronomie, die direkt mit den Spielstätten verbunden
ist, weitere Einnahmequellen.
• ...die viel diskutierte „Putzstunde" um 5 Uhr morgens erneut auf den Prüfstand
gestellt werden. Clubs werden für Gäste attraktiver, wenn die Möglichkeit besteht,
diese länger (oder erst später) aufzusuchen. Die Eintrittseinnahmen und
gastronomischen Einnahmen steigen dadurch. Auch wenn Argumente für die
Putzstunde und gegen deren dauerhafte Abschaffung sprechen, könnte zumindest
die Bewilligung von Ausnahmegenehmigungen in begründeten Einzelfällen
erleichtert werden.
• ...bereits bewilligte Fördergelder der öffentlichen Hand in voller Höhe ausbezahlt
und institutionelle Förderungen auch in den kommenden Jahren nicht
gekürzt sondern erhöht werden.
• ...steuerliche Erleichterungen geschaffen werden. Aktuell wird auf Bundesebene
eine Absenkung der Umsatzsteuer von 19% auf 7% als Unterstützungsmaßnahme
für die Gastronomiebranche diskutiert. Diese Maßnahme
befürworten wir ausdrücklich. Zudem wäre ein sinnvoller Ansatzpunkt, Eintrittserlöse
aus allen Veranstaltungen ebenfalls lediglich mit 7% zu besteuern.
Dadurch bliebe effektiv mehr Nettoertrag direkt bei den Veranstaltungsorten
und Veranstalter_innen hängen.
• ...die Regelungen der sogenannten Stillen Feiertage gelockert werden. Auch
hier besteht konkretes Potenzial für die Szene an neun zusätzlichen Tagen
weitere Einnahmen zu erzielen und dem Bild einer modernen und urbanen
Großstadt zu entsprechen.
• ...die Rahmenbedingungen für Besucher_innen erleichtert werden. Eine Partnerschaft
mit VGN bzw. VAG könnte Gästen von Konzert- und Clubveranstaltungen
mit entsprechendem Ticket zur kostenlosen Nutzung des ÖPNVs berechtigen,
wie es bei Veranstaltungen der Hochkultur und beim Sport längst
gängig ist. Dies würde zudem erheblich zur nächtlichen Verkehrssicherheit
und Ruhe beitragen.
• ...Plakatflächen (z.B. der Stadtreklame, an VAG-Wartehäuschen) gratis oder
stark vergünstigt zur Verfügung gestellt werden. Diese sind aufgrund ihrer
Kosten für kleinteilige Kulturformate sonst kaum zugänglich, sodass diese im
öffentlichen Raum fast gänzlich unsichtbar sind.
• ...städtische Gebühren zur Müllentsorgung, Gewerbesteuer, Grundsteuer o.ä.
ausgesetzt werden.
Es gibt noch zahlreiche weitere Ideen und Möglichkeiten um im Rahmen der lokalpolitischen
Möglichkeiten die Kultursparte zu unterstützen. Wieder stellt sich in diesem
Zusammenhang auch die Frage: Könnte nicht die schon seit langem geforderte und
viel diskutierte Position eines/r Nachtmanager_in behilflich sein, um Bedarfe von Kultur,
Gastronomie und Nachtleben zusammen mit Politik und Verwaltung zu verhandeln?
Auch hier appellieren wir diesen Schritt energisch weiterzuverfolgen.


Ausblick
Die Kulturliga ist sich der schweren Situation bewusst, denn sie sieht die existenzielle
Bedrohung von Kultur im Allgemeinen und Einzelschicksalen im Speziellen. Ihre Mitglieder
hoffen darauf, dass gewählte Vertreter_innen und städtische Bedienstete
auch in diesem Fall den Kurs der pragmatischen Lösungsfindung einschlagen, bürokratische
Hürden vermeiden und schnell und effizient aktiv werden. Es besteht jetzt
die Möglichkeit wie auch die historische Notwendigkeit der Bedeutung von Kultur
Ausdruck zu verleihen, die in den vergangen Jahrzehnten so oft beschworen wurde
als sie noch nicht derart bedroht war. Für weitere Gespräche und Konkretisierung der
genannten Vorschläge stehen die Vertreter_innen der Kulturliga jederzeit gerne zur
Verfügung.


Das Statement der Kulturliga wird unterstützt von folgenden
Veranstaltungsorten, Veranstalter_innen, Gruppen, Vereinen und Initiativen:
Die Kulturliga-Mitglieder:
Café Kaya e.V.
Club Stereo
Stadtteilzentrum Desi
Eat-The-Beat e.V.
Haus 33
Kulturzentrum E-Werk
KulturKellerei
Kulturort Badstraße 8, Fürth
Kunstkeller o27 e.V.
Kunstverein im Z-Bau
Mata Hari Bar
MUZclub
Nasty Entertainment
Die Rakete
nbg-breaks e.V.
Z-Bau – Haus für Gegenwartskultur
Die weiteren Unterstützer_innen:
Downtown Bar, Nürnberg
Heizhaus / Quellkollektiv e.V.
Urban Lab
Verband für Popkultur Bayern e.V.
Team Büro (HipHop Veranstalter, Agentur, Label, Nürnberg)
Initiative Kunst Braucht Raum
Trouble In Paradise (Veranstalter_innen Kollektiv)
Tante Betty Bar Nürnberg
Brückenfestival e.V.
Parvenue (Soziokultur/Musik/Kommunikations-Agentur, Nürnberg)
Protestgarten Fürth
Navigator Productions (Konzert- und Festivalveranstalter)
Musikverein e.V. (Nürnberg)
It Isn't Happening (Festival, Veranstalter_innen)
Sänders e.V.
Katana e.V.
Lass Weng Flown (HipHop-Veranstalter, Nürnberg)
Pechschwarz (Konzertveranstalter_innen, Nürnberg)
Blues Will Eat e.V.
Pop! Rot Weiss, Popularmusikberatung Bezirk Mittelfranken
Katharina Mock (Poetry Slam Veranstalterin Erlangen/Nürnberg)
Burgtheater Nürnberg
Krupski (Autor, Musiker, Veranstalter)
Jan Hagemann (DJ & Veranstalter, Nürnberg)

Ric Stüber (DJ & Veranstalter, Nürnberg)
Moritz Richter (freier Veranstalter, Die Rakete Booking UG)
Andreas Basner & Lisa Renz-Hübner (Lokale Leidenschaften / Radio Z)
Thomas Wurm (DJ, Musiker, Veranstalter, Nürnberg Pop Festival)
Bird Berlin (Musiker, Künstler, Veranstalter)
Agentur Zeitvertreib (Eventagentur, Nürnberg)
Obacht Agentur (Booking, Events, KulturAgentur, Erlangen)
Peter Gruner (Musiker, Jazz im E-Werk Booker, Journalist, Erlangen)
Karsten Barnett (Veranstalter, Schallplattenfachhandel, Kulturaktivist)
Rock City News (Magazin)
Carsten Bunnemann (Fotograf / Konzertfotografie, Erlangen)
Schwarzfunk (Radio Z)
Bunkersyndikat
Disko Jakuzzi / Xylotrip
Nürnberg Pop Festival/Wild2000 (Festival, Agentur)
mono-Ton (Tonträger & Hifi, Nürnberg)
Jan Bratenstein (Veranstalter, The Black Elephant Band)
Mui Mui Musik (Event Kollektiv)
We All Die Worse (DJ-Kollektiv/Veranstalter)
FUZZ over Nuernberg (Veranstalter)
Curt Magazin Nürnberg

Stand: 07.05.2020

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