Knaster

Mitgespielt!

Der Spruch ist uralt: Viele Köche verderben den Brei. Gerne zu beobachten, wenn sich eine ganze Horde höchst unkreativer Drehbuchautoren an einem Thema versucht, und jeder will sich mit seinen Ideen am Ende vertreten sehen. Ob aber wirklich dann noch alles zusammen passt?
Aber so muss es nicht zwingend laufen. Der Redakteur Reinhard Staupe, der selbst Spieleerfinder ist und gleichzeitig bei dem in Fürth ansässigen NSV-Nürnberger Spielkarten Verlag für die Kartenspielreihe verantwortlich zeichnet, versteht es immer wieder, den von Autoren eingereichten Entwürfen den passenden Feinschliff zu verleihen, noch etwas mehr aus einer schon guten Grundidee heraus zu kitzeln.

Auch dass das Spiel „Knaster" Zuwachs für den erfolgreichen Vorgänger „Knister" ist, mag manche Spieler doch zunächst skeptisch schauen lassen, besteht doch immer die Gefahr, dass immer weiter etwas variiert wird, das sich aber eigentlich eigenständig gar nicht trägt.
Also, es ist zu bemerken, hier lauern viele Fallen. Doch „Knaster" ist richtig gut. Auf einem Spielblock findet sich ein fünf mal fünf Felder großes Raster. Hier werden jene Zahlen eingetragen, die die Spieler reihum erwürfeln, wobei ein Ergebnis von allen Mitspielern eingetragen wird, nicht nur von jenem Spieler, der die Würfel hat rollen lassen. Ziel ist es, ganz im Sinne des großen Vorbilds „Kniffel", einen Dreier, Vierer oder Fünfer zu schaffen, also drei-, vier- oder fünfmal dieselbe Zahl in einer Fünferreihe notiert zu haben. Zwei Pärchen sind auch erwünscht, schöner wäre noch Full House (drei Gleiche/zwei Gleiche) oder die legendäre Straße, fünf aufeinander folgende Zahlenwerte, die, zur Erleichterung, aber nicht numerische steigend oder fallend notiert werden müssen.
Ist eine Reihe voll, wird geschaut, was erreicht werden konnte. Entsprechend des erwürfelten Bildes, dürfen nun Zahlen eingekreist werden: bei einem 3er und/oder zwei Pärchen eine Zahl in der Reihe; bei einem 4er und/oder einem Full House zwei Zahlen und bei einem 5er und/oder einer Straße sogar drei Zahlen. Durch die quadratische Anordnung und die beiden Diagonalen, können auf diese Weise umkreiste Zahlenwerte für mehrere Reihen zählen. Und sind die fünf Zahlen einer Reihe komplett umkreist, dann winken zur Belohnung jene Punkte, die auf dem Spielblock entsprechend angezeigt sind.

Das ist richtig gut gemacht. Die Spieler finden schnell in das Spiel hinein, denn die Bilder, die es zu erwürfeln gilt, sind in der Regel jedem Mitspieler hinlänglich bekannt. Wie etwa auch das famose „Take It Easy", so ist auch „Knaster" ein Spiel, in dem absolut gleiche Voraussetzungen herrschen. Allein der Unterschied, wer wo welche Zahl auf seinem Spielblock platziert, macht am Ende den manchmal richtig großen Unterschied in der Punktewertung aus. Das sieht dann sofort nach Revanche aus!
Der Spielblock ist natürlich nachzukaufen, sogar vier Bleistifte werden mitgeliefert. Dass jene auch noch am Kopf ein Radiergummi besitzen, erweist sich schon bald als sehr praktische Hilfe, ist einmal eine Zahl einem ersten Impuls folgend doch an einer vermeintlich falschen Stelle notiert worden.
Und dann diese Mitspieleranzahl: 1 – 12! Horst Lichter würde es ein „Träumchen" nennen, denn wie viele Spiele gibt es denn bitte, die kurzweilig sind, eine überschaubare Spieldauer haben und dann eben noch für eine große Gruppe geeignet sind? Genau: nur wenige.


Und so ist diese Neuheit von Markus Schleininger, Reinhard Staupe und Heinz Wüppen, die vor kurzem auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorgestellt worden ist, eins dieser berühmten kleinen, in Wahrheit aber ganz großen Spiele. Es taugt für „mal eben zwischendurch", als Einsteigespiel in den Spieleabend oder als flotter Rausschmeißer. Nur das Suchtpotential sollte nicht unterschätzt werden. Und so kann „Knaster" durchaus auch zu einem sehr spannenden, stets angenehmen Abendprogramm werden. Alleinunterhaltend!

Rainer Scheer

„Knaster", von M. Schleininger, R. Staupe & H. Wüppen,
NSV Nürnberger Spielkarten Verlag, ca. 9 Euro

Stand: 20.04.2019

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