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X Ambassadors

X Ambassadors

Das New Yorker Trio X Ambassadors - Sänger Sam Nelson Harris, sein blinder Bruder Casey an den Keyboards und Drummer Adam Levin - ist auf dem vierten Album seit 2015 „Townie" (Virgin) auf der Suche nach Identität, indem es die Geister der Vergangenheit aufsucht, hochemotional, sehr persönlich, manchmal etwas sentimental-hart-am-Kitsch-Rand und doch universell. Upstate New York, die Heimat von Sam und Casey Harris ist der ideale Spiegel für den inneren Konflikt: ein Ort auf dem Weg nach woanders, eine riesige Raststätte; undefiniert, verlassen und vergessen. „Ithaca liegt so abgeschieden", erzählt Sam. „Casey und ich waren früher immer auf der Suche nach Wegen, dem zu entkommen: Wir fuhren ziellos auf dem Rad herum, mit dem örtlichen Bus oder später im Auto unserer Eltern. Wir verliefen uns im Wald, brachten uns in alle möglichen Schwierigkeiten, hielten unsere Füße in den Wasserfall oder knutschten im Schnee mit unseren Highschool Crushes. Alles eben, was die Welt größer erscheinen lässt, so als gäbe es nichts, was einen davon abhalten könne, hier herauszukommen." Mit dem Album erschaffen Sam und seine Band ein vielschichtiges Porträt ihrer Heimatstadt, einer College-Stadt, in der sich Tankstellen und verlassene Läden aneinanderreihen, umgeben von Naturschönheit und der Trostlosigkeit des amerikanischen Nordostens. Aber wer man ist, das ist nicht nur der Ort, aus dem man kommt, das sind auch die Menschen, die einen auf dem eigenen Weg begleiten. Songs wie „Follow the Sound of My Voice", in dem Sam die Komplexität des Zusammenlebens mit seinem blinden Bruder Casey beschreibt, oder „Your Town", in dem er den Verlust seines Mentors betrauert (dessen Stimme am Ende des Songs in einer aufgezeichneten Voicemail zu hören ist), erinnern daran, dass wir alle Produkte derer sind, die wir lieben und derer, die wir verloren haben. Vom Donuts-Drifting auf einem Sunoco-Parkplatz („Sunoco"), Skateboarden unter grauem Himmel („No Strings"), Gefängnissen und Einkaufszentren, die auf dem Boden der Natives gebaut wurden („Smoke on the Highway") bis hin zur Trauer über den Verlust alter Freunde („Your Town", „Rashad"), dem Aufbrechen von Wunden und Narben („first dam", „women's jeans") und der Bekräftigung der tiefen und komplizierten Bande zur Familie („Follow the Sound of My Voice") ist das Album ein eindringlicher Selbstfindungs- und Selbstverortungstrip, eingebettet in melancholischen Indie-Americana-Folk-Pop-Alt-Rock, der bisweilen stilistisch nach links und rechts ausbüchst.

Jürgen Parr

Stand: 01.05.2024

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