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Crucchi Gang

Crucchi Gang

Deutschsprachige Musiker und Musikerinnen singen (meistens) ihre eigenen Songs auf Italienisch und machen ein ganzes Album mit zehn Soundpostkarten draus - hier ist die "Crucchi Gang" (Vertigo/Universal)! Geboren wurde die sehr charmante Idee in Berlin von Charlotte Goltermann, Sven Regener und Francesco Wilking. Die eigentlich eher abwertende Bezeichnung für die Deutschen wird hier lässig positiv konnotiert. Neben den Dreien sind Von Wegen Lisbeth, Sophie Hunger, Bilderbuch, Steiner & Madlaina, Faber, Clueso, Isolation Berlin, Françoise Cactus und Thees Uhlmann mit von der Pasta-Partie. Und wenn auch nicht alle der beteiligten Künstler ein wirkliches Talent für die italienische Sprache haben, so zählt der Spirit und die Begeisterung für die Musica Leggera. Mastermind Francesco Wilking (Die höchste Eisenbahn, Tele) hat fast alle Lieder übersetzt und dabei viele Probleme und großen Spaß gehabt, immer wissend, dass man in Italien sagt, der traduttore (Übersetzer) sei immer auch ein traditore (Verräter). Und die Crucchi Gang liebt Land, Leute und Lifestyle – stilistisch durchfluten sie sonnengestählt-aperolisiert Lässigstyles zwischen KitschPop und LightReggae. Dabei ragen vor allem der Hammer-Italo-Disco-Smash "Al mio locale" (Von Wegen Lisbeth), der Extravergine Easy Listening-Schlenderer "Il mio bungalow" (die Bilderbuch-Neuinterpreation von Francesco Wilking) , hochemotionaler Paolo Conte-Gedächtnis-Schmus "Vieni qui" (Faber), das lässige Jovanotti-hafte "Ballare" (Clueso) oder das sprudelnde-pizzafunkige "La ragazza della cassa no 2" (Thees Uhlmann) heraus. Produziert von Patrick Reising (Tele, Dota), der auch die Keyboards spielte, mit Alex Binder (Tapes, Moritz Krämer) am Bass, Christoph Bernewitz (Tele, Cäthe, Clueso) an der Gitarre, Jan Burkamp (Jazzanova, Micatone) an den Drums, den Berlin Strings (Luisa Babarro und Johanna Wundling), und den Bern Horns (Lukas Thöni, Nina Thöni, Benedikt Reising) wurde ein Crossover aus Nino Rota, Ennio Morricone, Gianna Nanini und Paolo Conte geformt, der Hochdramatik, Strandlässigkeit, Dolce Far Niente und Kitschklischee destilliert. In diesen Zeiten fast ein Urlaubsersatz.

Jürgen Parr

Stand: 11.10.2020

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