Spiel
 

Ein Klassiker feiert das Vierteljahrhundert

6 nimmt

Kaum ein Autor steht so für erfolgreiche Spiele wie Wolfgang Kramer. Er war ein er der ersten, der seine sichere Arbeitsstelle aufgab, um sich ganz der Entwicklung von Brett- und Kartenspielen zu widmen. Dies ist ihm in einzigartiger Art und Weise gelungen. Vor allem sind es aber auch bestimmte Abläufe, die durch ihn Einzug in das Spiel gefunden haben, so z.B. die eben nur geheime Zuordnung eines Spielsteins zu einem bestimmten Spieler, wobei in der Partie aber jeder Mitspieler mit jeder Figur auf dem Spielbrett ziehen darf. Meisterlich vorgeführt bei „Heimlich & Co", was die Jury „Spiel des Jahres" dann auch mit einem Hauptpreis würdigte.
Und dann ist da natürlich die „Kramer"-Leiste, jene Zählleiste für die im Spiel erworbenen Punkte, die später in unzähligen anderen Spielen anderer, nachfolgender Autoren Einzug gehalten hat. Sie ist zweckmäßig und offenbart stets übersichtlich den aktuellen Spielstand.

Doch nun: Jubel! In der Nachbetrachtung wäre „6 nimmt!" wohl auch ein gutes „Spiel des Jahres" gewesen, als es 1994 einen Platz auf der Auswahlliste ergattern konnte. (Was war noch gleich 1994 der Hauptpreisträger?) Den Spielbegeisterten ist dabei vor allem noch in Erinnerung, dass sich danach die Stülpschachteln im Markt durch setzten, die nicht mehr aus jedem Kartenspiel eine eher labile Angelegenheit machten... vor allem dann, wenn die Karten öfter benutzt worden waren und die ursprüngliche Verpackung keine Luft/keinen Raum mehr bot.
Doch sind dies Äußerlichkeiten. „6 nimmt!" von Wolfgang Kramer überzeugt bis heute durch seine feine Spielidee. Jeder Mitspieler bekommt 10 Karten auf die Hand. Im Spiel befinden sich 104 Karten (10 Mitspieler kann es geben) und vier Karten kommen in die Tischmitte. Auf den Karten stehen die Werte von 1 bis 104. Jede der ausgelegten vier Karten steht für den Beginn einer Zahlenreihe. In jeder Runde wählen alle Spieler genau eine Handkarte. Dann wird gleichzeitig aufgedeckt. Der Spieler, der den niedrigsten Wert gespielt hat, darf anlegen. Und zwar in der Reihe, wo es zwischen der ausliegenden und der anzulegenden Karten die kleinste Differenz gibt. Ach ja, es muss immer numerisch ansteigend gelegt werden. Das ist zunächst ganz entspannt. Aber dann passiert es doch: einen Spieler trifft es, er legt die sechste Karte, und entsprechend des Spieltitels muss er nun die Reihe nehmen, wobei seine gelegte sechste Karte die neue Startkarte in der Reihe wird.
Nun zählen aber nicht die aufgedruckten Zahlenwerte sondern die Hornochsen, die auf manchen Karten abgedruckt sind. Ziel des Spiels: klar, keine Karten bekommen, also keine Minuspunkte machen. Ende der Partie ist nach exakt zehn Runden, wenn kein Spieler noch übrige Handkarten besitzt.
„6 nimmt!" ist mit über 4 Millionen verkauften Spielen weltweit Wolfgang Kramers größter Erfolg. Natürlich folgten ähnlich geartete Kartenspiele, die von dem allseits bekannten ursprünglichen Kartenspiel profitieren sollten, allen voran „Hornochsen", das sogar später auch eine Brettspielvariante bekam. Doch hat es irgendwie schon immer seinen konkreten Grund gehabt, wenn sich das einmal so bezeichnete Originalspiel im Markt durchsetzt. Das wurde dann auch in der Zeit der Jubiläums-Blechboxen entsprechend gefeiert und gewürdigt. Denn irgend ein „mehr" soll es zu einem Jubiläum natürlich geben. Und so gibt es das Spiel zu einem sehr attraktiven Preis mit zusätzlichen Sonderkarten, die wahlweise ergänzend benutzt werden können – oder soll es doch das Original-Spielgefühl sein? Die Sonderkarten fügen sich gut in den Ablauf, was leider nicht immer gegeben ist bei dem manchmal albernen Versuch, eben etwas ganz Besonderes zu konzipieren zu wollen.
Nein, „6 nimmt!" ist noch immer ein großartiges, einzigartiges Kartenspiel mit hohem Wiedererkennungswert, was für Erfahrung, Kontinuität und Spielverständnis steht. Also: mitspielen! Und ruhig auch ein Glas auf den Autor trinken! Und auf den Verlag, denn es ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, dass ein Verlag ein Produkt auch in dieser Weise umsichtig pflegt. Na dann, Prosit!

Rainer Scheer

Amigo Spiele: www.amigo-spiele.de

Stand: 13.05.2019

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